Soziales Lernen

Förderung von Sozialkompetenzen als Prinzip des Lehr-Lernprozesses

Die Sozialkompetenzen sind Voraussetzung für ein gutes und bereicherndes Miteinander. Ein gutes Schul- und Klassenklima ist ein nicht zu unterschätzender Faktor, der Kindern das Lernen erleichtert. An der Schloss-Schule-Gräfenhausen fördern wir soziale Kompetenzen gezielt und nachhaltig – durch vielfältige Projekte, demokratische Strukturen und ein respektvolles Miteinander im Schulalltag.

1 Pädagogische Zielsetzung

In der Schloss-Schule-Gräfenhausen leben die Schülerinnen und Schüler in sozialen Beziehungen und können diese auch gestalten. Sie zeigen sich kommunikationsfähig und gehen offen wie aktiv auf andere zu. Die Schloss-Schule fördert das Arbeiten in Gruppen und das Lösen von Konflikten durch Dialog und versucht stets einen partnerschaftlichen Interessensausgleich mit Hilfe von miteinander verabredeten Regeln herzustellen.

Somit wird bei den Lernenden der Erwerb von Perspektivenwechseln, Teamfähigkeit, Rücksichtnahme, Kooperation, Wahrnehmungsfähigkeit und interkultureller Verständigung gefördert.

Bei der Sozialkompetenz handelt es sich um eine der wichtigsten Handlungskompetenzen. Sie wird in der sozialen Interaktion und Kommunikation mit anderen gefördert. Die Sozialkompetenz ist ein Paket von Fähigkeiten, welches in vier Aspekte unterteilt wird:

  • Kognitive Kompetenz: Analysieren von Situationen, Selbstreflexion, Nachdenken über Probleme, Überlegen und Überdenken von Lösungsstrategien, Kennen von Regeln.
  • Soziale Fertigkeiten: Helfen, Teilen, auf jemanden zugehen und ihn etwas bitten, die Fähigkeit, mit Kritik umzugehen.
  • Emotionale Kompetenz: Wahrnehmungsfähigkeit von Emotionen und Stimmungen bei sich und anderen, Verständnis für andere (Empathie), Gefühle ausdrücken.
  • Wertorientierung, Motivation: Sich anderen gegenüber anständig und respektvoll verhalten, sich bewusst sein, was einem wichtig ist.

All diese Fähigkeiten werden von den Schülerinnen und Schülern der Schloss-Schule-Gräfenhausen erlernt. Dies wird über mehrere Projekte zum Sozialen Lernen sichergestellt.

2 Partizipationsmöglichkeiten von Kindern

An der Schloss-Schule-Gräfenhausen haben Schülerinnen und Schüler viele Möglichkeiten, aktiv am Schulleben teilzunehmen und dabei ihre sozialen Kompetenzen zu stärken. Die nachfolgenden Programme und Projekte bieten konkrete Räume für Partizipation, Verantwortungsübernahme und demokratisches Miteinander.

2.1 Patenprogramm

Im Jahrgang eins werden in den ersten Tagen den neuen Schülern „Patenkinder" aus Jahrgang drei zugeteilt. Die Zuteilung findet in der Regel in Absprache mit den Schülerinnen und Schülern statt. Oft kennen sich die Kinder durch Geschwisterkinder, aus der Kita oder der Nachbarschaft. Die Patenkinder begleiten die neuen Schülerinnen und Schüler in der ersten Zeit bei verschiedenen Aktionen durch den Alltag und sind deren Ansprechpartnerinnen und -partner auf dem Schulhof oder im Kinder-Restaurant.

Die Patenkinder aus Jahrgang drei haben das Patenklassenprojekt selbst in der ersten Klasse kennengelernt und nehmen jetzt als ältere Schülerinnen und Schüler einen Perspektivwechsel ein. Patenklassen stehen sich gegenseitig zwei Schuljahre zur Verfügung. Oft entstehen hieraus Freundschaften.

Klassenpaten – Ziel:
Die Schülerinnen und Schüler üben das Helfen, auf jemanden zuzugehen, sie/ihn um etwas zu bitten, wie auch das Verständnis für andere aufzubringen.

2.2 Schul- und Klassenregeln

Ebenfalls in den ersten Schulwochen lernt der erste Jahrgang die Schul- und Klassenregeln kennen. Die Schulregeln werden an die Lernenden und Eltern ausgehändigt. Die Klassenregeln werden in den ersten Wochen festgelegt und je nach Notwendigkeit mehrmals mit den Lernenden wiederholt oder angepasst.

Die Schloss-Schule-Gräfenhausen hat sich auf einem pädagogischen Tag auf fünf wesentliche Regeln für das Schulleben geeinigt:

  1. Wir helfen und kümmern uns umeinander.
  2. Wir hören einander zu und bleiben freundlich. Wir dürfen unsere Gefühle und Meinungen frei ausdrücken.
  3. Wir lösen Streit friedlich. Dazu können wir Hilfe holen.
  4. Wir arbeiten leise und lassen andere in Ruhe arbeiten.
  5. Wir gehen ordentlich mit unseren und fremden Dingen um.

Schul- und Klassenregeln – Ziel:
Schülerinnen und Schüler erlangen Sachkenntnisse über die Gestaltung des Zusammenlebens von Menschen. Sie erlernen den respektvollen und achtsamen Umgang miteinander sowie soziale Verhaltensweisen, gegenseitige Akzeptanz und Regeln der Demokratie.

2.3 Klassenrat

Ein weiteres Projekt des Sozialen Lernens findet sich an der Schloss-Schule in Form des Klassenrats. Es soll eine „Kultur der Anerkennung" gelebt werden. Die Schülerinnen und Schüler kennen den Klassenrat seit der ersten Klasse. In dieser wird der Klassenrat im ersten Halbjahr als positive Gefühlsrunde zum Ende der Schulwoche eingeführt und in der zweiten Hälfte Schritt für Schritt zu einem Klassenrat mit allen seinen Funktionen aufgebaut. Dieser findet wöchentlich statt.

Mehrere Lernende können in unterschiedlichen Funktionen aktiv sein, z.B. als Vorsitzender/Leitung, Zeitwächter oder Protokollant. Im Klassenrat werden Anliegen der Schülerinnen und Schüler eingebracht, die ihnen helfen ihr tägliches Miteinander so zu gestalten, dass alle Kinder gerne zur Schloss-Schule kommen.

Klassenrat – Ziel:
Präzises Formulieren von Meinungen, Kommunikationsfähigkeit, gewaltfreie Kommunikation, freie Rede und aktives Zuhören, friedliche Konfliktlösung, Förderung von Empathiefähigkeit, Selbst-/Fremdwahrnehmung und wertschätzender Umgang miteinander.

2.4 Kindersprechstunde

In der Kindersprechstunde können die Kinder einmal in der Woche im Mittagsband in den „Treff" kommen und dort einen Tee trinken. Sie haben die Möglichkeit, einen Streit zu klären oder darüber zu sprechen, was sie beschäftigt. Die Kindersprechstunde wird von einer UBUS-Kraft geplant und durchgeführt. Vertrauliche Gespräche bleiben vertraulich und werden nur mit der Zustimmung des Kindes weitergegeben.

Kindersprechstunde – Ziel:
Die Kinder haben die Möglichkeit, in ruhiger Atmosphäre bei einer Tasse Tee über persönliche Anliegen mit Mitschülerinnen und Mitschülern oder einer pädagogischen Fachkraft zu sprechen.

2.5 Ausbau des Klassensprecherdienstes

Die Schülerinnen und Schüler der Schloss-Schule Gräfenhausen erhalten früh die Möglichkeit, ihre Sozialkompetenz mit dem Klassensprecherdienst auszubauen. Ab dem ersten Schuljahr im zweiten Halbjahr wird der Klassensprecherdienst durch zwei Lernende besetzt. Mögliche Wahlkandidaten stellen sich mit Namen vor und erklären, warum sie kandidieren. Der Wahlgang findet mit Wahlkabinen oder genügend Sitzplatzabstand statt. Alle Schülerinnen und Schüler haben eine gleichwertige Stimme.

Klassensprecherdienst – Ziel:
Teamfähigkeit, freies Sprechen üben, Gespräche führen, eigene Gedanken formulieren, Fähigkeit Bedürfnisse und Wünsche mündlich zu äußern sowie Anbahnung sozialer Kompetenzen zum achtsamen Miteinander. Die Wahl findet freiwillig und demokratisch statt.

2.6 Helfer-Kinder

Während des Unterrichts können Kinder, die schon mit ihren Aufgaben fertig sind, anderen Kindern, die Hilfe benötigen, helfen. Während des Mittagsbandes bringen sich Viertklässlerinnen und Viertklässler partizipativ ein, indem sie den Pausenhüttendienst übernehmen. Darüber hinaus gibt es im Mittagsband auf dem Schulhof und im Kinderrestaurant Kinder, die unterstützend tätig sind.

Helfer-Kinder – Ziel:
Durch die Helfer-Kinder wird die Peer-to-peer Education gestärkt. Die Helfer-Kinder übernehmen Verantwortung für das Gelingen des Schulalltags. Wenn Kinder sich gegenseitig helfen, hat dies einen großen Nutzen und kann effektiver sein, als wenn Erwachsene die Hilfe leisten.

2.7 Respect-Days

Die „Respect-Days" beruhen auf zwei Bausteinen. Jede Klasse des Jahrgangs zwei bis vier hat am Anfang des Schuljahres mindestens einen Tag, in dem das soziale Miteinander im Vordergrund steht. Am „Respect Day" wird in allen Klassen das gleiche Thema behandelt, z.B. Umgang mit Wut, Resilienz, Empathie etc.

Die Klassen des Jahrgangs eins führen den „Respect Day" erst zu einem späteren Zeitpunkt durch. Die Unterrichtssequenzen werden vom Team des „Respect-Days" entwickelt, den Kolleginnen und Kollegen vorgestellt und von den Klassenlehrkräften durchgeführt.

Respect-Days – Ziel:
Ziel ist ein respektvoller Umgang im Miteinander (während des Unterrichts, in den Pausen und im Mittagsband) sowie die Stärkung der Klassengemeinschaft.

3 Kinderparlament

3.1 Entstehung und Idee

Die Idee für ein Kinderparlament an der Schloss-Schule entstammt dem Wunsch, Schulthemen, die alle Schülerinnen und Schüler betreffen, einen Raum zu geben und das Klassen- und Schulklima positiv zu stärken.

Die Schülerinnen und Schüler erfahren im Kinderparlament die gleichberechtigte Beteiligung durch ihre abgesandten Vertreterinnen und Vertreter aller Klassen, wie auch die Notwendigkeit solch öffentlicher Institutionen. Es werden Probleme besprochen, welche aus vielen unterschiedlichen Blickwinkeln betrachtet werden. Daraus ergibt sich eine Vielzahl an Lösungsmöglichkeiten.

Lernende bekommen im Kinderparlament oft ein schnelles Feedback zu bestimmten Reaktionen von Mitschülerinnen und Mitschülern. Positive Rückmeldungen ermutigen zu weiteren positiven Handlungen. Eine kritische Rückmeldung regt immer zum Nachdenken über besseres Handeln an.

3.2 Umsetzung und Durchführung

Das Kinderparlament findet seit dem zweiten Halbjahr des Schuljahres 2023/24 in regelmäßigen Abständen, ca. alle vier bis sechs Wochen, statt. Durchgeführt wird das Kinderparlament von den beiden UBUS-Kräften. Das Kinderparlament wird von den Klassensprecherinnen und Klassensprechern der Klassen zwei bis vier besucht. Die Erstklässlerinnen und Erstklässler haben die Möglichkeit, als Gäste an den Treffen teilzunehmen, ab dem zweiten Halbjahr jeweils auch als gewählte Mitglieder.

Das Kinderparlament trifft sich im Mittagsband mittwochs von 11:45 Uhr bis 12:45 Uhr. Diese Uhrzeit wurde von den Kindern bei einem Treffen festgelegt, damit sie vorher bzw. danach noch eine Pause haben und essen gehen können. Pro Schuljahr nimmt zweimal ein Schulleitungsmitglied teil.

Die Klassensprecherinnen und Klassensprecher unterrichten ihre Mitschülerinnen und Mitschüler im Klassenrat über die Ergebnisse. Im Klassenrat hat jede Klasse die Möglichkeit, Anliegen zu sammeln, um sie wieder ins Kinderparlament einzubringen.

3.3 Ablauf eines Treffens

Die Wächterdienste werden festgelegt. Eine UBUS-Kraft führt gemeinsam mit den Kindern Protokoll. Die Anliegen werden verlesen und diskutiert.

Die Kinder haben beispielsweise folgende Ideen eingebracht und umgesetzt:

  • Toilettenbilder und Schilder, wie eine Toilette benutzt werden soll
  • Pausenradio
  • Eine Durchsage zur Benutzung der Toiletten
  • Bildung kleiner Arbeitsgruppen, um an Themen weiterzuarbeiten (z.B. einen Film über die Toilettennutzung drehen)

Natürlich gibt es auch Anliegen, die nicht genau nach Wunsch der Kinder umgesetzt werden können. Die UBUS-Kräfte erörtern die Anliegen mit den Kindern und bringen diese in den Dienstbesprechungen ein. Gemeinsam wird versucht, mit den Kindern einen Kompromiss zu finden und ihre Anliegen nach den Möglichkeiten der Schule umzusetzen.

3.4 Mitglieder

Das Kinderparlament an der Schloss-Schule-Gräfenhausen setzt sich aus den Klassensprecherinnen und Klassensprechern zusammen. Dazu kommen optional Lernbegleiter und zweimal im Jahr die Schulleitung. Die Kinder aus dem Kinderparlament übernehmen dabei verschiedene Aufgaben:

  1. Moderator
  2. Leise-Wächter
  3. Protokollant
  4. Zeitwächter
  5. Vorleser (aller Themen und Anliegen)

Kinderparlament – Ziel:
Ziel des Kinderparlaments ist die Partizipation und Mitbestimmung der Schülerinnen und Schüler bei der Gestaltung des Schullebens der Schloss-Schule. Die Kinder erfahren dadurch Selbstwirksamkeit sowie eine Stärkung des Selbstwertgefühls und des Sozialen Lernens.